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WLFI-Krypto-Projekt unter Ethik-Verdacht: Korruptionsvorwürfe gegen Trumps Familie

WLFI-Krypto-Projekt unter Ethik-Verdacht: Korruptionsvorwürfe gegen Trumps Familie

Das WLFI-Projekt leitet 75 % der Gewinne an eine von Donald Trump und seiner Familie kontrollierte LLC weiter, während diese von Haftung und Risiken freigestellt bleibt.

World Liberty Financial (WLFI) ist ein von Donald Trump und seiner Familie betriebenes DeFi‑Projekt, das seit seiner Lancierung im Sommer 2024 stark in den Fokus von Ethik‑ und Korruptionsvorwürfen geraten ist. Laut einem am 24. November veröffentlichten Staff‑Report des US‑House‑Judiciary‑Committee wird WLFI als zentrales Element eines „präsidialen Selbstbedienungs‑Schemas“ beschrieben, das in einem nie da gewesenen Ausmaß von staatlicher Einflussnahme profitiert.

Die finanzielle Struktur des Projekts sieht vor, dass 75 % der Nettoeinnahmen an die LLC DT Marks DEFI, ein Unternehmen, das unmittelbar mit Trumps Familie verbunden ist, fließen. Diese LLC ist nach eigenen Angaben von jeglicher Haftung für die operativen Geschäfte des Projekts entbunden, sodass Gewinne an die Familie fließen, während Risiken und mögliche Verluste von anderen getragen werden. Experten der Organisation Citizens for Responsibility and Ethics in Washington (CREW) bezeichnen diese Anordnung als ohne precedent in der Beziehung zwischen einem amtierenden Präsidenten und einem gewinnorientierten Unternehmen.

Zusätzlich zu den Einnahmen aus den USA wurden ausländische Mittel in das Projekt eingespeist. Der chinesisch‑kanadische Unternehmer Justin Sun, der von der US‑SEC wegen Betrugs und Marktmanipulation angeklagt war, investierte 75 Millionen USD in WLFI‑Token, bevor sein Verfahren fallengelassen wurde. Des Weiteren überwies die in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Stiftung Aqua 1 im Sommer 2025 stabilecoins im Wert von 100 Millionen USD, deren Herkunft und Erwartungen laut Reuters weiterhin unklar bleiben.

Die wirtschaftliche Bilanz des Projekts ist bemerkenswert: Die Trump‑Familie hat laut Angaben von Watchdog‑Gruppen bereits mehr als 890 Millionen USD an Einnahmen aus WLFI generiert, während die Token der Plattform einen Marktwert von etwa 3,8 Milliarden USD erreichen. Trotz dieser Zahlen wurde kein persönliches Eigenkapital der Familie zum Projektzeitpunkt nachgewiesen, was die Frage nach einer tatsächlichen Risikobeteiligung aufwirft.

Die regulatorische Situation hat sich weiter verschärft, als WLFI am 9. Januar 2026 bei der Office of the Comptroller of the Currency (OCC) einen Antrag auf Erteilung einer nationalen Bankenlizenz für die geplante „World Liberty Trust Company“ stellte. Zach Witkoff, ein enger Vertrauter Trumps, wird als vorgeschlagener Präsident des neuen Instituts genannt. Diese Antragstellung erfolgt im Kontext einer intensiveren Aufsicht durch das US‑Repräsentantenhaus, das seit dem Bericht vom November 2025 eine „Anti‑Crypto‑Corruption‑Week“ initiiert hat und unter anderem Vorwürfe der Behinderung der Justiz, ausländischer Einfluss und Selbstbedienung gegen das Projekt richtet.

Die Marktperformance von WLFI‑Token spiegelt die wachsenden Zweifel wider: Nach einem Allzeithoch ist der Kurs um etwa 50 % gefallen, während die von Trump und seiner Ehefrau Melania lancierten Meme‑Coins um 91 % bzw. 99 % eingebrochen sind. Analysten vermuten, dass institutionelle Investoren das Projekt aus ethischen Gründen meiden und dass der Fokus des Geschäfts auf Retail‑Investoren das Risiko weiter erhöht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die strukturelle Anordnung von WLFI – insbesondere die einseitige Gewinnverteilung an eine von der Familie kontrollierte LLC ohne persönliche Haftung – in Kombination mit ausländischen Investitionen und der engen Verknüpfung zur politischen Entscheidungsfindung ein hohes Risiko für mögliche ethische Verstöße und regulatorische Eingriffe darstellt. Die anhaltenden Ermittlungen und die öffentliche Kritik zeigen, dass das Projekt nicht nur finanziell, sondern auch politisch stark unter Druck steht.

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