Altcoins

Strategiewechsel bei Strategy: Bisheriger „Never Sell“-Ansatz bei Bitcoin wird aufgegeben

Strategiewechsel bei Strategy: Bisheriger „Never Sell“-Ansatz bei Bitcoin wird aufgegeben

Strategy signalisiert erstmals die Bereitschaft zu taktischen Bitcoin-Verkäufen zur Kapitaloptimierung. Das Unternehmen bleibt langfristig ein Netto-Käufer, nutzt BTC künftig jedoch aktiv als Steuer- und Kapitalinstrumen...

Strategy Inc. (ehemals MicroStrategy, Nasdaq: MSTR), der weltweit größte börsennotierte Bitcoin-Halter und erste „Bitcoin Treasury Company“, hat auf seinem Earnings Call für das erste Quartal 2026 am 5. Mai einen deutlichen Strategiewechsel signalisiert. Das Unternehmen gab bekannt, künftig offen für den taktischen Verkauf von Teilen seiner Bitcoin-Bestände zu sein. Dies markiert eine Abkehr von der bisherigen „Never Sell“-Doktrin und positioniert die Kryptowährung künftig als aktiv verwaltetes Instrument der Kapitalallokation.

Die Ergebnisse des ersten Quartals wurden maßgeblich von massiven nicht-zahlungswirksamen (non-cash) GAAP-Verlusten geprägt, die aus der Fair-Value-Buchhaltung von Bitcoin in einem volatilen Quartal resultieren. Strategy meldete einen operativen Verlust von 14,47 Milliarden US-Dollar und einen Nettoverlust von 12,54 Milliarden US-Dollar (entspricht 38,25 US-Dollar pro verwässerter Aktie). Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2025 waren die Verluste geringer ausgefallen. Hauptursache war ein unrealisierter Fair-Value-Verlust von 14,46 Milliarden US-Dollar auf die digitalen Vermögenswerte, bedingt durch den Rückgang des Bitcoin-Kurses von rund 87.000 US-Dollar zu Quartalsbeginn auf etwa 68.000 US-Dollar Ende März.

Das operative Software-Geschäft zeigte derweil ein moderates Wachstum. Die Gesamterlöse beliefen sich auf 124,3 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von rund 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Bruttogewinn lag bei 83,4 Millionen US-Dollar bei einer Marge von 67,1 Prozent. Die liquiden Mittel und Äquivalente beliefen sich auf 2,21 Milliarden US-Dollar.

Trotz der Verluste im Quartal beschreibt das Unternehmen seine Bilanz als robust. Mit einer geringen Netto-Verschuldung von etwa 9 Prozent, ausreichenden Barreserven und einer digitalen Kreditplattform (STRC), die auch institutionelles und DeFi-Interesse weckt, sieht sich Strategy gut aufgestellt. Die Geschäftsführung wies zudem auf eine bevorstehende Aktionärsabstimmung hin, bei der die STRC-Dividenden von monatlicher auf halbmonatliche Auszahlung umgestellt werden sollen, um die Liquidität zu erhöhen. Für die absehbare Zukunft wird hierbei eine steuerliche Behandlung als Rückführung des Kapitals (Return of Capital, ROC) erwartet.

Der zentrale Punkt der Telefonkonferenz war die explizite Bereitschaft zum Verkauf von Bitcoin unter bestimmten Bedingungen. Executive Chairman Michael Saylor erklärte, das Unternehmen werde „wahrscheinlich etwas Bitcoin verkaufen, um eine Dividende zu finanzieren, einfach um den Markt zu impfen und die Botschaft zu senden, dass wir es getan haben“. CEO Phong Le ergänzte: „Wir werden Bitcoin verkaufen, wenn es für das Unternehmen vorteilhaft ist... Wir werden nicht zurücklehnen und einfach sagen: ‚Wir werden den Bitcoin niemals verkaufen.‘ Wir wollen Netto-Akkumulatoren von Bitcoin sein, unseren gesamten Bitcoin-Bestand erhöhen, aber noch wichtiger, unseren Bitcoin pro Aktie steigern.“

Dabei handelt es sich laut Unternehmensangaben nicht um einen Ausverkauf oder eine Aufgabe der Akkumulationsstrategie. Vielmehr geht es um eine optimierte Kapitalallokation, bei der Bitcoin von einer statischen „Digital Gold“-Reserve zu einem dynamischen Werkzeug für Steuern, Liquidität und Kapitalstruktur entwickelt wird, ohne die Verschuldung zu erhöhen. Ziel bleibt es, den Bitcoin-Bestand pro Aktie zu steigern und gleichzeitig steuerliche Vorteile – in den Unterlagen ist von einem Potenzial von 2,2 Milliarden US-Dollar die Rede – zu nutzen.

64 Aufrufe