Todd Blanche, der Autor des DOJ-Memos zur Krypto-Enforcement, ist nun interim Attorney General und leitet die Abteilung, die für die Durchsetzung von Krypto-Vorschriften verantwortlich ist.
Todd Blanche, Trumps ehemaliger persönlicher Strafverteidiger, wurde im März 2025 zum stellvertretenden Attorney General bestätigt und rückte nach der Entfernung von Pam Bondi im April 2026 als Interim Attorney General des US-Justizministeriums nach. Seine wichtigste Entscheidung als Autor des DOJ-Memos vom April 2025 war die Auflösung des National Cryptocurrency Enforcement Team und die Anweisung an Staatsanwälte, keine regulatorischen Verstöße gegen die Kryptoindustrie mehr strafrechtlich zu verfolgen. Das Dokument, das die frühere Regierungspolitik zurückdrängte, beschränkt die Verfolgung nun auf offensichtliche Betrugsfälle und strafbare Handlungen, während regulatorische Nichtkonformität nicht mehr strafbar ist.
Die Auswirkungen des Memos sind bereits in laufenden Verfahren spürbar. So wurde in der Southern District of New York ein Anklagepunkt gegen den Tornado Cash-Entwickler Roman Storm zurückgezogen, nachdem Staatsanwälte das neue Enforcement-Konzept zitierten. Storm wurde zwar wegen einer anderen Anklage verurteilt, steht jedoch weiterhin im Fokus weiterer Ermittlungen. Blanche selbst hatte bei der Erstellung des Memos ein potenzielles Interessenkonflikt-Risiko, da ProPublica eine Ethikuntersuchung offenbarte, dass er zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Dokuments Krypto-Assets im Wert zwischen 159.000 und 485.000 US-Dollar hielt, darunter Bitcoin, Ethereum, Solana und Cardano. Diese Vermögenswerte wurden erst später an seine Kinder und Enkelkinder übertragen, was gegen seine Divestiture-Pflicht verstoßen haben könnte.
Für die DeFi-Branche und Mixing-Services wie Tornado Cash bedeutet Blanche als Interim AG vor allem Kontinuität ohne neue Eskalation. Da er das Memo selbst verfasst hat, ist eine Rückkehr zu strengeren Durchsetzungsmaßnahmen unwahrscheinlich. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob er als permanenter Attorney General bestätigt wird und wie seine Position die laufenden Gesetzgebungsdebatten um FIT21 und den GENIUS Act beeinflusst. Diese Entscheidungen werden darüber bestimmen, ob die aktuelle Enforcement-Pause dauerhaft bleibt oder nur eine vorübergehende Phase darstellt.
Für österreichische Krypto-Plattformen, die in die USA expandieren wollen, signalisiert Blanche eine stabile, aber vorsichtige regulatorische Umgebung. Während bundesstaatliche Behörden weiterhin aktiv regulieren, wird die föderale Ebene vorerst keine neuen Strafverfolgungsinitiativen gegen DeFi-Protokolle oder Offshore-Plattformen starten. Dies gibt Unternehmen Zeit, sich an die neuen Spielregeln zu gewöhnen, ohne sofort mit rechtlichen Risiken konfrontiert zu werden.