Auf Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit fuer eine Amtsenthebung Donald Trumps durch das Repräsentantenhaus vor Ende seiner Amtszeit bei rund 68 %. Fuer den Zeitraum bis Ende 2026 notiert der Markt lediglich 2 %.
Auf der Vorhersagemarkt-Plattform Polymarket zeigen zwei vertraeglich laufende Kontrakte zur Amtsenthebung von US-Praesident Donald Trump eine erhebliche Diskrepanz. Der langfristige Kontrakt, der auf eine Anklageerhebung durch das Repräsentantenhaus vor dem regulären Amtsende am 20. Januar 2029 abstellt, notierte Stand 24. August 2026 bei rund 68 Prozent. Ein separater, kurzfristiger Kontrakt, der denselben Ausgang bis zum 31. Dezember 2026 abfragt, wird hingegen nur mit etwa 2 Prozent bewertet. Das kumulative Handelsvolumen des langfristigen Marktes belief sich zu diesem Zeitpunkt auf rund 94.463 US-Dollar.
Der Unterschied erklaert sich nicht durch unterschiedliche politische Einschätzungen, sondern durch den legislativen Kalender und die Kongressarithmetik. Aktuell halten die Republikaner knappe Mehrheiten in beiden Kammern. Ein republikanisch gefuehrtes Repräsentantenhaus hat keinen institutionellen Anreiz, Anklageartikel gegen einen republikanischen Praesidenten voranzutreiben, solange es keinen gravierenden Bruch innerhalb der Partei gibt. Die 2 Prozent spiegeln daher nahezu ausschliesslich die Basiswahrscheinlichkeit wider, dass der aktuelle Kongress vor Ablauf seiner Legislaturperiode handelt.
Die 68 Prozent im langfristigen Kontrakt preisen hingegen das Ergebnis der Kongresswahlen 2026 ein. Sollten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erlangen, erhielten sie die Kontrolle über den Justizausschuss, Subpoena-Befugnisse und die Moeglichkeit, eine Abstimmung über Anklageartikel eigenstaendig auf die Tagesordnung zu setzen. Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket taxieren die Wahrscheinlichkeit eines demokratischen Hausgewinns derzeit auf 85 bis 87 Prozent. Der langfristige Polymarket-Kontrakt fungiert damit effektiv als kombinierte Wette auf einen demokratischen Wahlsieg und die anschliessende tatsaechliche Einbringung von Anklageartikeln in den darauffolgenden zwei Jahren.
Beide Polymarket-Kontrakte werten ausschliesslich auf die Verabschiedung mindestens eines Anklageartikels (Article of Impeachment) mit einfacher Mehrheit im Repräsentantenhaus. Eine Verurteilung im Senat, die eine Zweidrittelmehrheit erfordert, oder eine Amtsenthebung sind fuer die Abrechnung der Wettscheine irrelevant. Wie der Congressional Research Service darlegt, ist die Anklage durch das Repräsentantenhaus einem Strafantrag vergleichbar; in der Geschichte der USA wurden drei Praesidenten – Andrew Johnson, Bill Clinton und Donald Trump (zweimal) – angeklagt, in keinem Fall folgte eine Verurteilung durch den Senat.
Die Preisdynamik verdeutlicht, wie Vorhersagemärkte prozedurale Huerden und zeitliche Abläufe separat von politischer Stimmung bewerten. Aehnliche Muster zeigten sich zuvor bei Kalshi-Märkten zur Wahrscheinlichkeit eines Regierungsstillstands (Government Shutdown), bei denen die Kurse im Einklang mit dem legislativen Kalender schwankten. Haendler wetten hier nicht auf die moralische oder rechtliche Berechtigung einer Amtsenthebung, sondern auf die Abfolge oeffnender prozeduraler Tore – Wahlen, Mehrheitsverhaeltnisse, Ausschusskontrolle und Fristen.