Der Krypto-Unternehmer Justin Sun hat eine Bundesklage gegen World Liberty Financial eingereicht, nachdem das Projekt rund 540 Millionen seiner WLFI-Token eingefroren und ihm die Teilnahme am Governance-Prozess verwehrt...
Der Krypto-Unternehmer Justin Sun hat eine Bundesklage gegen World Liberty Financial (WLFI) beim kalifornischen Gericht eingereicht. In der Klage wirft Sun dem Projekt Vertragsbruch, Betrug und unrechtmäßige Aneignung vor. Hintergrund ist die Einfrierung von rund 540 Millionen seiner freigeschalteten WLFI-Token sowie 2,4 Milliarden gesperrter Token. Sun wirft WLFI vor, eine Admin-gesteuerte Blacklist-Funktion im Smart Contract zu verwenden, die es ermöglicht, Token-Transfers, Verkäufe und Protokoll-Interaktionen einseitig zu blockieren, ohne dies gegenüber Investoren offenzulegen.
Die Token-Sperre erfolgte im September 2025, nachdem Sun nach dem Governance-Token-Launch rund 9 Millionen US-Dollar an WLFI-Token auf externe Wallets transferiert hatte. WLFI begründete die Maßnahme mit einem möglichen Verstoß gegen Suns Anlegervereinbarung. Das Projekt verteidigte die Blacklist-Funktion als vergleichbar mit den Compliance-Tools von USDT oder USDC. Diese Einordnung räumt ein, dass die Funktion eher wie ein zentralisiertes Stablecoin-Kontrollmechanismus denn wie ein dezentrales Governance-Tool arbeitet.
Die eingefrorenen Token verloren erheblich an Wert: Während der Einfrierung im September 2025 betrug der Wert der Bestände noch über 107 Millionen US-Dollar, bis April 2026 sank der geschätzte Wert auf 43 bis 60 Millionen US-Dollar. Sun hatte direkt rund 75 Millionen US-Dollar in WLFI investiert und ist damit der größte bekannte externe Investor des Projekts. Seine Gesamtinvestitionen in Trump-nahe Krypto-Projekte belaufen sich auf etwa 175 Millionen US-Dollar.
Nach Suns öffentlichen Vorwürfen vom 12. April 2026, das Projekt habe eine nicht offengelegte Hintertür eingebaut, fiel der WLFI-Token-Kurs um 15 Prozent auf ein Rekordtief. In seiner Klage fordert Sun eine gerichtliche Anordnung zur Freigabe seiner Token, schadenersatzrechtliche Feststellung sowie eine einstweilige Verfügung, die WLFI das Verbrennen oder anderweitige Manipulieren seiner Token verbietet.
Die Klage wirft grundsätzliche Fragen zur Architektur von WLFI auf. Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, verfügt das Projekt über eine zentralisierte Vetomacht gegenüber jedem Token-Inhaber. Dies stellt die dezentrale Natur des Governance-Tokens infrage und betrifft nicht nur Sun, sondern alle WLFI-Halter. Die Entscheidung des kalifornischen Gerichts über Suns Antrag auf sofortige Freigabe seiner Token wird ein erster wichtiger Indikator dafür sein, ob die Blacklist-Funktion rechtlicher Prüfung standhält.