Der neue Token-Standard pERC-20 ersetzt die öffentliche Balance-Abfrage durch verschlüsselte Noten und Zero-Knowledge-Beweise. Er ermöglicht private Transfers ohne neue Precompile, bleibt aber nicht vollständig anonym.
Ein neuer Token-Standard namens pERC-20, formal als ERC-7605 verfolgt, schlägt vor, Token-Transfers standardmäßig privat zu gestalten. Dazu werden Kontostände, Transferbeträge und Gegenparteien mittels Zero-Knowledge-Proofs verschlüsselt, direkt im Token-Contract implementiert. Der Standard ersetzt die bestehende ERC-20-Schnittstelle vollständig und ist nicht als Wrapper, sondern als eigenständige, privatsphäre-native Lösung konzipiert.
pERC-20 nutzt eine UTXO-basierte Architektur, inspiriert von Zcashs Orchard-Modell, und setzt auf Groth16-Beweise für die Validierung von Transfers. Statt öffentlicher Kontostände existieren Token als verschlüsselte Noten, die einmalig ausgegeben und verbraucht werden können. Der Transfer erfolgt über eine neue IPERC20-Schnittstelle mit den Operationen mint, burn und transfer, wobei jede Aktion einen gültigen Zero-Knowledge-Beweis erfordert.
Ein zentrales Merkmal ist die bewusste Integration einer Compliance-Blacklist, die pERC-20 als regulierungskonforme Infrastruktur positioniert. Dies folgt dem früheren Rückzug von Ethereum-Partnerschaften mit Privatsphäreprojekten aufgrund regulatorischer Bedenken. Die Architektur vermeidet gleichzeitig den Zustandswachstum durch O(1)-Tracking von verbrauchten Noten mit konfigurierbarem Cleanup.
Die Implementierung ist EVM-kompatibel und nutzt bestehende Wallet-Technologien wie MetaMask, ohne dass neue Browser-Erweiterungen oder Hardware erforderlich sind. Es wird kein neuer Precompile eingeführt, stattdessen werden Poseidon-Hashes für die Notenkonstruktion verwendet. Die Privatsphäre ist jedoch begrenzt: Die Transaktionsgraph-Struktur bleibt öffentlich sichtbar, sodass die Beziehung zwischen Absendern und Empfängern nicht vollständig verschleiert wird.
pERC-20 befindet sich noch in der Entwurfsphase und muss den ERC-Review-Prozess durchlaufen, bevor es breite Anwendung findet. Derzeit gibt es keine Pläne für Mainnet-Änderungen, da der Standard als Anwendungsebene-Lösung umgesetzt werden kann. Die zentrale Frage ist, ob es gelingt, eine stabile Referenzimplementierung zu etablieren und damit die Diskussion über private Token-Transfers von theoretisch in die Praxis zu überführen.